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Nützt Führungserfahrung?

 

Einführung

Herkömmlich gesehen wird davon ausgegangen, dass führungserfahrene Menschen besser führen als führungsunerfahrene, da sie über mehr Lebenserfahrung und über eine größere Bandbreite von Handlungsmustern verfügen, die sie in die Lage versetzen, situativ passend zu handeln. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich Erfahrungen und Lernprozesse wechselseitig bedingen und daraus ein besseres Führungsverhalten folgt. Diese Annahme führt dann auch regelmäßig dazu, dass führungserfahrene Personen bei der Besetzung von Führungsfunktionen anderen Bewerbern bevorzugt werden. Doch die Annahme trifft nicht, so eine jüngst veröffentlichte Untersuchung der Wirtschaftspsychologen Uwe Peter Kanning und Philipp Fricke von der Universität Osnabrück, publiziert in der Zeitschrift „Personalführung“ 1/2013. Dass Erfahrungen zu einem Lernen führen, ist nicht zwingend. Wer kennt nicht Menschen, die trotz ihrer Erfahrungen eigentlich nichts dazugelernt haben, ihnen allerdings das Attribut „Erfahren“ anhaftet. Ob jemand das Lernpotenzial seiner Arbeitsumgebung zu seiner Weiterentwicklung nutzt – so Kanning und Fricke – hängt wesentlich von seiner Intelligenz und Leistungsmotivation ab.

Die Führungsfähigkeit wurde anhand von folgenden neun Bereichen eingeschätzt:

  • Entscheidungsfähigkeit: gute Entscheidungen treffen
  • Selbstreflexion: über sich selbst nachdenken
  • Kommunikationsfähigkeit: klar und motivierend reden
  • Konfliktfähigkeit: Konflikte erkennen und mit ihnen umgehen
  • Kooperationsfähigkeit: mit anderen zusammenarbeiten
  • Führungsfähigkeit: andere anleiten und führen
  • Organisationsfähigkeit: Arbeit planen, aufteilen und ausführen
  • Problemlösefähigkeit: Probleme aufdröseln und aktiv nach Lösungen suchen
  • Überzeugungsfähigkeit: andere von einer Sache begeistern

Ausgehend davon wurde geprüft, ob folgende vier Größen mit der Fähigkeit zu führen zusammenhingen: die bisherige Führungserfahrung, die Anzahl der Mitarbeiter, die man als Chef hatte, das Lebensalter und das Geschlecht.

Ergebnisse  

  • Führungskräfte, die bereits führten, schnitten in allen Bereichen nicht besser ab, als die ohne Führungserfahrung. Im Bereich der Führungsfähigkeit schnitten Führungsanfänger sogar besser ab als alteingesessene Führungskräfte.
  • Auch ist die Anzahl der Mitarbeiter irrelevant. Die Führungskräfte mit großem Team führten nicht besser als diejenigen mit wenigen Mitarbeitern.
  • Je älter eine Person war, desto schlechter war ihre Führungsleistung im Test (AC). Allerdings beeinflusste das Alter die Leistung insgesamt nur gering.
  • In allen neun Bereichen schnitten Frauen besser ab als Männer. Sie konnten besser entscheiden, reden, zusammenarbeiten, führen, organisieren, Probleme lösen, über sich selbst nachdenken und andere überzeugen als Männer.

Vorgeschlagen wird demzufolge:

  • Bei der Besetzung von Führungspositionen Bewerber ohne Führungserfahrung nicht von vornherein auszuschließen.
  • In Stellenausschreibungen auf Führungserfahrung zu verzichten.
  • Führungskräftelernen durch Rückmeldung, Training und gezielte Verstärkung lenken.
  • Auf allen Ebenen und Stufen diagnostische Verfahren bei der Personalauswahl einsetzen

 Autor: Dr. Siegfried Mauch, Führungsakademie Baden-Württemberg, 2013

 



 


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