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Positives Bild des öffentlichen Dienstes bei den Bürgern

Einführung

Seit 2007 legen das Meinungsforschungsinstitut forsa und dbb-Beamtenbund und Tarifunion jährlich eine umfassende demoskopische Erhebung zu Kernthemen des öffentlichen Dienstes vor. Auf der Grundlage dieser Untersuchungen zeichnen sich längerfristige Veränderungen im Urteil der Bürger über die staatlichen Leistungen und deren Garanten ab. Gleichzeitig können Entwicklungen im Selbstbild der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes auf einer soliden Datengrundlage nachgezeichnet werden. Die Bürgerbefragung öffentlicher Dienst 2011 ist nunmehr veröffentlicht. Befragt wurden insgesamt 3.008 Bürgerinnen und Bürger mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews. 1.005 der insgesamt Befragten waren Angehörige des öffentlichen Dienstes. Die Auswahl der Befragten erfolgte wie in den Vorjahren nach einem systematischen Zufallsverfahren. Damit ist sicherstellt, dass die befragten Bürgerinnen und Bürger sowie die befragten Beamten und Tarifangehörigen ein Spiegelbild der Gesamtbevölkerung sowie der im öffentlichen Dienst Beschäftigten darstellen.

Die Befragung unterschied fünf Fragencluster.

  • Das Bild des öffentlichen Dienstes mit folgenden Teilbereichen: die Wahrnehmung des öffentlichen Dienstes in der Öffentlichkeit, das Beamtenprofil in der Fremd- und Selbsteinschätzung, die Einschätzung der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes, die Einschätzung der Wichtigkeit öffentlicher Einrichtungen und die Sicht des öffentlichen Dienstes aus Sicht seiner Bediensteten.
  • Erfahrungen der Bürger mit dem öffentlichen Dienst mit folgenden Teilbereichen: die Inanspruchnahme von Behörden, die Bürger und Verwaltung und die Erfahrungen und Einstellungen im ländlichen Raum.
  • Staat und Privatisierung aufgeteilt in die Rolle des Staats und das Ausmaß der Bürokratie sowie in die Fragestellung, ob und welche Dienstleistungen staatlich oder privat besser erbracht werden.
  • Die öffentlich Bediensteten und deren Zufriedenheiten und Erwartungen.
  • Die Attraktivität des öffentlichen Dienstes für Berufseinsteiger.

Wichtige Ergebnisse der Befragung und erste Erkenntnisse:

  • Die Bürger in Deutschland wollen einen handlungsfähigen Staat. 81 % der Befragten gaben an, dass eine starke Verwaltung unerlässlich ist, wenngleich auch 77 % den Eindruck hatten, dass die öffentliche Verwaltung zu aufgebläht ist und zu viel kostet. Interessant ist, dass die Effizienzwerte über den gesamten Beobachtungszeitraum seit 2008 recht stabil geblieben sind. Maßnahmen zur Steigerung der Binneneffizienz kamen dem Anschein nach nicht bei den Bürgerinnen und Bürgern an oder wurden von einer recht stabilen Grundhaltung überlagert. Bei tiefer gehenden Fragen wie nach der Bürgerfreundlichkeit konnte bei der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber 2008 eine Verbesserung der Zustimmung von 58 % auf 66 % festgestellt werden.
  • In einer globalisierten Gesellschaft braucht man einen starken Staat, der die Bürger vor ausufernden Entwicklungen schützen kann. 78 % sprachen sich 2011 dafür aus. Im Jahr 2007 waren es noch 66 % der repräsentativen Bevölkerung. Der Ohnmacht des Staates gegenüber internationalen Konzernen stimmten 74 % der Antwortenden zu. Dieser Wert ist im Zeitvergleich gesehen recht stabil geblieben. Zurückhaltender geworden sind die Werte für Privatisierungen. Diese sind insgesamt gesehen um ca. 5 % zurückgegangen (2007 sollten ca. 65 % der befragten Leistungen noch unbedingt im öffentlichen Dienst verbleiben, 2011 waren es 70 %). Insgesamt gesehen erscheint der Höhepunkt des Privatisierungsbedarfs erreicht worden zu sein.
  • Das Bild des öffentlichen Dienstes bei den Bürgern hat sich seit 2007 kontinuierlich verbessert. Die hohen Ausgangswerte bei zentralen Verhaltenseigenschaften wie Pflichtbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein, Rechtschaffenheit, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und Kompetenz konnten weiter gesteigert werden, auf durchschnittlich 72,5 % gegenüber 65,7% im Jahr 2007. Negativ belegte Eigenschaften wie stur, arrogant, ungerecht und ängstlich nahmen im selben Beobachtungsraum ab von 35,2 % auf 30,7 %.
  • Das Ansehen der Angehörigen des öffentlichen Dienstes ist sehr stark von der Berufsgruppenzugehörigkeit abhängig. So genießen erfahrungsgemäß Feuerwehrangehörige, Polizisten, Richter und auch Lehrer ein höheres Ansehen als der „normale“ Verwaltungsbedienstete oder Steuerbeamte.
  • Die Behördenkontakte blieben im Langzeitvergleich recht stabil, im Bereich der Finanzverwaltung nahmen sie sogar zu. Möglicherweise ist diese Zunahme auf Veränderung in Steuerangelegenheiten zurückzuführen (Abschaffung der bisher von der Gemeindeverwaltung erstellten Lohnsteuerkarte und der damit verbundenen Unklarheiten) und können nicht oder nur eingeschränkt durch elektronisch verfügbare Informationen und Formen elektronisch gestützter Vorgangsbearbeitung kompensiert werden.
  • Für einen Rückzug des Staates aus dem ländlichen Raum besteht kein großes Verständnis. Hier sind neue kombinierte Versorgungsformate auch jenseits elektronischer Formen der Leistungserbringung zu entwickeln, um eine gewisse Mindestversorgung gewährleisten zu können.
  • 75% der Beschäftigten sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden (2007 waren es noch 65%), Dass ihre Arbeit in ausreichender Weise durch den Vorgesetzten gewürdigt wird, meinen - über die Jahre hinweg recht stabil gesehen - 59 %  der öffentlich Bediensteten. 40 % fühlen ihre Arbeit nicht in ausreichender Weise durch den Vorgesetzten gewürdigt. Leider ist auch dieser Wert im Jahresvergleich recht stabil geblieben. Damit kommen trotz Bildungsoffensiven, der Einführung von Mitarbeitergesprächen und Mitarbeiterbefragungen rund 40 % der Führungskräfte einer zentralen Führungsaufgabe nicht nach.

Folgerungen

Deutlich wird der Trend zu einem starken Staat, möglicherweise auch als Reaktion auf das wahrgenommene Marktversagen der letzten Jahre. Stark in diesem Sinne ist jedoch nicht gleichzusetzen mit groß und mächtig, sondern eher mit fit und wirksam. Erfreulich ist auch die hohe Bewertung der Kundenorientierung des öffentlichen Dienstes. Dies ist sicher der hohen Bedeutung der "Kundenorientierung" in den vergangenen 10 Jahren zu verdanken, aber auch der Tradition der "Bürgerfreundlichkeit" davor. Offen ist, ob infolge dieser Werte auch das Thema "Bürgerbeteiligung" ähnlich erfolgreich bewertet wird und daher so etwas wie ein Selbstläufer sein wird, der nur zum Start geführt werden muss. Denn im Unterschied zur Bürger- oder Kundenorientierung erfordert Bürgerbeteiligung eine Transformation, da "innen" und "außen" sich immer mehr mischen, die Komplexität des Öffentlichen wächst und Kontrollverluste zunehmen. Erschreckend sind die schlechten Werte des Führungsverhaltens. Solche Werte wurden in Baden-Württemberg bereits in den 90er Jahren diagnostiziert und waren Auslöser für die Einführung des Mitarbeitergesprächs und anderer Instrumente. Seit Jahren weißt die Motivationsforschung auf die Bedeutung des Führungsverhaltens für die Arbeitsmotivation, die Gesundheit und die Quantität und Qualität des Leistungsoutputs hin. Ein Defizit von 40 % ist nicht hinzunehmen. Da es dem Anschein nach dauerhaft ist, liegen diesem strukturelle Ursachen zugrunde. Die überall tagenden Haushaltsstrukturkommissionen sollten sich einmal dieser Ursachen annehmen, um Haushaltsprobleme zu lösen.          

Autor: Dr. Siegfried Mauch, Führungsakademie Baden-Württemberg, 2012.

  

 

 



 


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