Bildung und Wissen in Baden-Württemberg
In der Wissens- und Bildungsgesellschaft wird die Qualität öffentlicher Leistungen zunehmend davon bestimmt, wie es der Verwaltung gelingt innerorganisatorisch und organisationsübergreifend Informationen und Wissen zu nutzen und dabei zu lernen. Um die Handlungsfähigkeit und Innovationsfähigkeit der Verwaltung zu stärken, ist es erforderlich, das an den verschiedenen Schnittstellen des öffentlichen Leistungsprozesses vorhandene Wissen zu erschließen, zu verbreiten, weiterzuentwickeln und anzuwenden. Dazu muss in einer Wissens- und Bildungsgesellschaft die Verwaltung ihr vorhandenes und ihr künftiges Wissen ebenso wie ihren Wissens- und Bildungsbedarf antizipieren und aktiv managen.
Baden-Württemberg, hat sich dieser Herausforderung gestellt. Diesem Bestreben dient das Wissens- und Bildungsmanagement, das als Public Private Partnership vom Land Baden-Württemberg und der Deutschen Telekom AG als gemeinsames Referenzprojekt entwickelt wurde. Ziel des „BILDUNG21“ genannten Projekts ist es, in der Landesverwaltung ein integriertes System des Informations-, Bildungs- und Wissensmanagements aufzubauen.
Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Partnerprojekt POLIZEI-ONLINE mit dem Innovationspreis des „Behördenspiegels“ für das beste Public Private Partnership Beispiel 2006 und mit dem 2. Preis des E-Government-Award 2006 des Bundesministers des Innern ausgezeichnet.
Das Projekt wurde gemeinsam mit den Ministerien des Landes in einzelnen Pilotprojekten konkretisiert. Die technischen Basisentwicklungen sind seit 2006 abgeschlossen und stehen funktionsfähig zur Nutzung zur Verfügung. Das Jahr 2007 wurde genutzt, um Praxiserfahrungen zu sammeln. Die Entwicklungen wurden 2008 vom Landessystemausschuss als Grundverfahren anerkennt und werden seitdem sukzessive in der Landesverwaltung eingeführt.
Nach dem gegenwärtigen Entwicklungsstand sind unter BILDUNG21 fünf zentrale Leitthemen zusammengeführt:
- Bildungsmanagement,
- Lernen im Medienverbund,
- Kompetenzmanagement
- digitalisiertes Wissensmanagement
- regionale Wissensbilanz
Die oben beschriebenen Leitthemen bilden einen ganzheitlichen Ansatz für ein auf die Bedürfnisse des Landes und anderer Verwaltungsorganisationen abgestimmtes Bildungs- und Wissensmanagement. Das Modell und seine Leuchttürme orientieren sich an den zentralen Eckpunkten eines ganzheitlichen Wissensmanagements:
- Generierung von Wissen,
- Repräsentation des Wissens,
- Kommunikation des Wissens und
- Nutzung des Wissens.
Die Wissensgenerierung enthält im Wesentlichen die zielbezogene Kommunikation von Informationen zur Wissensbildung. Wissen besteht nicht nur aus Informationen, sondern zu einem Großteil aus Erfahrungen. Dazu ist es notwendig Lernprozesse so zu entwickelt, dass die erforderlichen Erfahrungen gemacht und in Netzwerken Kontakte geknüpft werden können. Der notwendige Wissensinput wird dabei den eigentlichen Lehrveranstaltungen vorangesetzt, damit in den Veranstaltungen der knappe Zeithorizont zur Wissensaufarbeitung, zum Praxisaustausch und zu Transfergesprächen genutzt werden kann. Dieser Wissensinput muss als Lernprogramm didaktisch aufbereitet sein, elektronisch zur Nutzung zur Verfügung stehen und in das Bildungskonzept eingepasst sein. Dies gelingt über einen Blended-Learning-Ansatz, mit dessen Hilfe elektronische und klassische Lernformen kombiniert werden. Damit kann die Qualität der Fortbildung verbessert und Lernen und Arbeiten besser zusammengeführt werden können. Weiter gehört dazu eine lernbezogene Kommunikation in virtuellen Organisationen und in Foren.
Die Wissensrepräsentation umfasst die Identifizierung, Dokumentation und zur Verfügung Stellung von Wissen. Dieses Bedürfnis wird über eine dienstellen- und teilnehmerbezogene Auswertung der Bildungsdaten sowie über das Kompetenzmanagement bedient. Das Kompetenzmanagement ermöglicht einen anonymen Abgleich von Anforderungsprofilen einer Funktion oder Stelle mit Kompetenzprofilen von Bediensteten..
Die Wissenskommunikation schließt insbesondere den Erwerb, den Austausch und das Teilen von Wissen ein. Diese Funktionalitäten werden in BILDUNG21 über die Bildungsplattform, das integrative Bildungsmanagement und die eingerichteten Communities of Practice ermöglicht.
Die Wissensnutzung, der wichtigste Aspekt des Wissensmanagements, nämlich Wissen in Handlungen und Entscheidungen umzusetzen, erfordert die Bereitschaft, Wissen selbst einzubringen und zu teilen, sowie ein wissens- und lernorientiertes Umfeld. Dies ist eine zentrale Herausforderung der Organisation solche Kontextbedingungen zu gestalten, die zu der erwünschten Lehr- und Lernbereitschaft der Mitglieder führen.